© 2016/17 - Bürgerinitiative Klein Leuthen bewahren
KLEIN LEUTHEN BEWAHREN

(K)Ein Rinderstall

im Schutzgebiet!

Im Frühjahr 2012 haben die Bürgerinnen und Bürger Klein Leuthens durch Zufall erfahren, dass ein ortsansässiger Landwirtschaftsbetrieb in unmittelbarer Orts- und Seenähe sowie inmitten des Landschaftsschutzgebietes Groß Leuthener See / Dollgensee einen Rinderstall errichten will. Mit dem Stall soll der vor Ort gehaltene Tierbestand verzehnfacht werden. Zum Stall gehören eine von hohen Mauern umgebene Dunglege und ein Güllehochbehälter. Das als Riegel in der Landschaft wirkende Projekt befindet sich nur 100 Meter vom Ferien- und Freizeitzentrum Klein Leuthen und dem nächstgelegenen Wohngebäude entfernt. Satellitenaufnahmen zeigen, wie stark bereits die 2014 widerrechtlich ausgehobene Baugrube in das Schutzgebiet eingreift. Die Bürgerinitiative “Klein Leuthen bewahren!” hat frühzeitig darauf hingewiesen, dass das Stallprojekt gegen das Bundesnaturschutzgesetz, aber auch gegen das Baugesetz sowie andere Verordnungen verstoßen würde. Einige Argumente sind unten näher ausgeführt. Auf verschiedenen Ebenen wurden sie dem Investor und den Genehmigungsbehörden übermittelt, stets mit dem Angebot, den Investor aktiv beim Wechsel auf ein Alternativgrundstück zu unterstützen. Doch Vermittlungsversuche verliefen erfolglos. Der Landkreis Dahme-Spreewald reichte 2013 eine Baugenehmigung aus, gegen die die Mitglieder der Bürgerinitiative, die Gemeinde Märkische Heide und der Bund für Umwelt und Naturschutz, Landesverband Brandenburg (BUND) erfolglos Widersprüche einlegten. Um das Landschaftsschutzgebiet zu bewahren, reichte der BUND letztlich Klage vor dem Verwaltungsgericht Cottbus ein und konnte in einem Eilverfahren 2014 einen bis zum Abschluss des Hauptverfahrens befristeten Baustopp erreichen.  Unmissverständlich urteilte das Verwaltungsgericht Cottbus: “Das Vorhaben steht mit der konkret vorgesehenen Gestaltung in einem deutlichen Kontrast zur Nutzung eines Gebietes, das der Erholung dienen soll”. Gleichwohl halten der Investor und der Landkreis an der von den Gerichten gerügten Baugenehmigung fest. Der Investor hat bereits eine Baugrube für den Stall ausgehoben und in Konterkarierung der Gerichtsbeschlüsse im Herbst 2015 einen rund einen Hektar großen Bereich neben dem gewählten Bauplatz im Landschaftsschutzgebiet mit einer bis zu 3,5 Meter hohen Mauer aus Heu- und Silageballen fest eingefriedet, um einen Teil seiner Rinderherde in einer Art  “Offenstall” zu halten. Wie der geplante Stall schädigt nun bereits der “Offenstall” das Landschaftsschutzgebiet erheblich, weil er die besondere Eigenart der Landschaft zerstört und dem Eintrag von Giftstoffen in die Umwelt Vorschub leistet.

Gegen den Bau des Rinderstalls sprechen folgende

Argumente:

Bauverbot im Landschaftsschutzgebiet

Die Rechtslage ist klar: Im Landschaftsschutzgebiet “Groß Leuthener See / Dollgensee” herrscht Bauverbot. Dies haben die Beschlüsse des Verwaltungsgerichts Cottbus von 2014 und des Oberverwaltungsgerichts Berlin-Brandenburg von 2015 bestätigt. Das Bundesnaturschutzgesetz regelt unmissverständlich: “In einem Landschaftsschutzgebiet sind […] alle Handlungen verboten, die den Charakter des Gebiets verändern oder dem besonderen Schutzzweck zuwiderlaufen.“

Besondere Eigenart der Landschaft

Die Landschaft in und um Klein Leuthen ist anmutig, still und unverbraucht. Eiszeitliche Grund- und Endmoränen wechseln einander ab und verbinden in leichtem Schwung die Wasserflächen, Fließe, Äcker, Wiesen und Wälder. Die Landschaft  ist unzerschnitten, weite Blicke öffnen sich in das LSG oder aus dem LSG hinaus. Markante Einzelbäume akzentuieren den offenen Raum. Baublöcke, Großställe, Silos oder selbst Stromtrassen und Durchgangsverkehr fehlen. Die Schönheit dieser Landschaft hat bereits den 1881 im benachbarten Leibchel geborenen Heimatdichter Otto Lukas geprägt, der sie 1924 zum Urbild der Niederlausitz machte: “Welche Gegend Deutschlands hat solchen reizenden Wechsel von Berg und Tal, von Schätzen in und auf der Erde, von Land und Wasser, von Wald und Feld, von vergessenen Dörfern und stolzen Schlössern […]?“  (Otto Lukas: Lausitzer Leutchen, Idyllen und Schwänke. Berlin 1924). Auch die Gemeinde Märkische Heide wirbt für sich und den Tourismus vor allem mit: unberührter Landschaft. Der geplante Stall steht diesem idyllischen Zustand nun diametral entgegen.  Die Anlage will mehr als 5.700 qm freier Fläche überbauen und würde sowohl in Lage, Größe aber auch in seiner Form als Fremdkörper wirken. Als dominanter Riegel würde er die landschaftlichen Beziehung zwischen See, Dorf und Freiflächen abschneiden, die feinen Übergänge zwischen diesen Elementen an einer besonders schmalen Stelle des Schutzgebiets vernichten und alle Blickachsen vom Dorf oder auf das Dorf und den See verstellen. Er würde die Landschaft und das Dorfbild verschandeln.

Umweltbelastung

Das Bundesnaturschutzgesetz verlangt für die landwirtschaftliche Nutzung eines Schutzgebiets die Einhaltung der guten fachlichen Praxis. Die natürliche Ausstattung der Nutzfläche (Boden, Wasser, Flora, Fauna) darf nicht über das zur Erzielung eines nachhaltigen Ertrages erforderliche Maß hinaus beeinträchtigt werden. Schon jetzt steht für uns in Frage, ob die landwirtschaftliche Nutzung, insbesondere der Eintrag von Gülle und anderen Düngemitteln, im Landschaftsschutzgebiet fachgerecht erfolgt, denn der Groß Leuthener See zeigt nach Angabe des Gesundheitsamtes des Landkreises Dahme-Spreewald deutliche Zeichen der Überdüngung.  Mit der Verzehnfachung des in Seenähe gehaltenen Tierbestandes muss eine weitere Intensivierung der Landwirtschaft erfolgen - damit einher gingen ein steigender Nährstoffeintrag in die Luft, das Oberflächen- und Grundwasser. Durch die landschaftlichen Gegebenheiten ist zudem zu befürchten, dass beim Stallbetrieb Giftstoffe aus der Anlange sowie dem Weideland ausgewaschen und in das sensible Ökosystem am Groß Leuthener See und letztlich in den See selbst eingetragen werden. Hinzu treten Beeinträchtigungen der Umwelt durch Ammoniak, Methan, Verkehr, Staub, Lärm etc., die perspektivisch steigen werden.

Verschandelung des Dorfbildes

Klein Leuthen ist das einzige Sackgassendorf der Gemeinde Märkische Heide. Es hat seine mittelalterliche Angerstruktur und seine kleinteilige Bebauung erhalten. Einrichtungen der industrialisierten Landwirtschaft oder Plattenbauten aus der DDR findet man hier nicht. Aufgrund der Besiedelung seit der Bronzezeit sind Teile des Dorfes als Bodendenkmale geschützt. Die geplante Stallanlage bedroht durch ihre maßstabsverzerrende Größe, durch ihre als Riegel wirkende Kompaktheit genau dieses schützenswerte Bild. Kein Gebäude des Dorfes ist nur annähernd so hoch wie der geplante Stall oder sein Güllehochbehälter. Die Grundfläche der Anlage könnte leicht alle Wohngebäude des Dorfes fassen. Der besondere Charme Klein Leuthens, den bislang noch jeder Besucher leicht erspüren konnte, würde durch den Stall zerstört. Alle Blickbeziehungen zur Landschaft wären gekappt, das Dorfbild verschandelt. Das Verwaltungsgericht Cottbus hat diese Gefahr erkannt und in seinem Beschluss vom 17.10.2014 festgehalten: “Das Vorhaben steht mit der konkret vorgesehenen Gestaltung in einem deutlichen Kontrast zur Nutzung eines Gebiets, das der Erholung dienen soll.”

Präzedenzwirkung

Das zum Bau ausgewählte Grundstück befand sich bei Unterschutzstellung nicht im Eigentum des Investors, sondern wurde erst vor wenigen Jahren - also Jahrzehnte nach der Unterschutzstellung - von diesem erworben. Wenn man zuließe, dass ein geschütztes Grundstück seinen Schutzstatus verliert, nur weil ein Investor es aufkauft und bebauen will, ließe sich zukünftig jedes geschützte Grundstück durch Verkauf aus einem Schutzgebiet herausbrechen. Die Gesetzgebung wäre ad absurdum geführt. Wir setzen uns dafür ein, dass in Klein Leuthen kein Präzedenzfall entsteht, der auf andere Landschafts- und Naturschutzgebiete ungeahnte Auswirkungen hätte. Klein Leuthen bewahren dient daher auch dazu, andere Schutzgebiete zu bewahren. Eine Spende unter dem Kenwort “Rinderstall Klein Leuthen” an den BUND hilft damit allen!

Stall als Türöffner

Mit dem Stallneubau soll die in Dorfnähe gehaltene Anzahl von Rindern auf 200 verzehnfacht werden. Diese Zahl liegt bereits deutlich über dem Bundesdurchschnitt, der lediglich 87 Rinder pro Betrieb zählt (Quelle: Fleischatlas 2016, S. 24). Die Bürgerinitiative geht auf Basis eigener Berechnungen davon aus, dass mit Blick auf die notwendigen Investitionskosten ein neu gebauter Rinderstall mit 200 Tieren nicht wirtschaftlich geführt werden kann. Auch nach Einschätzung der Landwirtschaftskammer Niedersachsen haben nur “Profis, die sich bereits seit Jahren auf die Bullenmast spezialisiert haben, das Knowhow beherrschen und über erprobte Bezugs- und Absatzwege verfügen,“ vereinzelt(!) solche Anlagen zum Erfolg führen können. Ob in Klein Leuthen ein solcher Profi am Werk ist, kann mit Blick auf die bisherige Betriebspraxis nicht bewertet werden. Wir befürchten daher nicht unbegründet, dass der Rinderstall lediglich als Türöffner dienen soll, um unterhalb von planungsrechtlichen Schwellenwerten einen sukzessiven Ausbau der Anlage, also die Ansiedlung weiterer Anlagen im Schutzgebiet zu ermöglichen.  Soweit darf es nicht kommen!

Ende des Tourismus

Der besondere Erholungswert des Landschaftsschutzgebiets Groß Leuthener See / Dollgensee macht es in Gänze, speziell aber in Klein Leuthen zu einem der wenigen touristischen Zentren der Gemeinde Märkische Heide. Für Klein Leuthen ist neben den Wochenend- und Feriengrundstücken vor allem das Ferien- und Freizeitzentrum (FFZ) von Bedeutung, das in seinen beiden Objekten jährlich mehrere tausend Übernachtungen zählt. Der touristische Reiz Klein Leuthens ergibt sich unzweifelhaft aus seiner Lage am See, der direkten Verbindung zur geschützten Natur und seiner besonders ruhigen Lage im Landschaftsschutzgebiet. Der geplante Stall würde alle Vorzüge Klein Leuthens vernichten. Da er nur 100 Meter vom FFZ und vom nächstgelegenen Wohnhaus entfernt errichtet werden soll, liegt eine Verschlechterung der wohnlichen und touristischen Belange auf der Hand. Hinzu kommen Belästigungen durch Umweltgifte, Gerüche, Lärm und Verkehr. In der Folge würden die Erholungssuchenden dem Ort fernbleiben, was zu Einnahmeverlusten auch für die Gemeinde und letztlich zum Verlust von Arbeitskräften in der Tourismusbranche führt.

Alternativstandorte

Die Bürgerinitiative “Klein Leuthen bewahren!”  hat sich seit 2012 stets dafür eingesetzt, dass das Vorhaben an einem anderen, wirtschaftlich sinnvollen Alternativstandort außerhalb des Landschaftsschutzgebietes umgesetzt werden kann.  Auch die Gemeinde Märkische Heide hat sich mit Nachdruck für eine solche gütliche Einigung eingesetzt - vergebens.
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KLEIN LEUTHEN BEWAHREN

(K)Ein Rinderstall

im Schutzgebiet!

Im Frühjahr 2012 haben die Bürgerinnen und Bürger Klein Leuthens durch Zufall erfahren, dass ein ortsansässiger Landwirtschaftsbetrieb in unmittelbarer Orts- und Seenähe sowie inmitten des Landschaftsschutzgebietes Groß Leuthener See / Dollgensee einen Rinderstall errichten will. Mit dem Stall soll der vor Ort gehaltene Tierbestand verzehnfacht werden. Zum Stall gehören eine von hohen Mauern umgebene Dunglege und ein Güllehochbehälter. Das als Riegel in der Landschaft wirkende Projekt befindet sich nur 100 Meter vom Ferien- und Freizeitzentrum Klein Leuthen und dem nächstgelegenen Wohngebäude entfernt. Satellitenaufnahmen zeigen, wie stark bereits die 2014 widerrechtlich ausgehobene Baugrube in das Schutzgebiet eingreift. Die Bürgerinitiative “Klein Leuthen bewahren!” hat frühzeitig darauf hingewiesen, dass das Stallprojekt gegen das Bundesnaturschutzgesetz, aber auch gegen das Baugesetz sowie andere Verordnungen verstoßen würde. Einige Argumente sind unten näher ausgeführt. Auf verschiedenen Ebenen wurden sie dem Investor und den Genehmigungsbehörden übermittelt, stets mit dem Angebot, den Investor aktiv beim Wechsel auf ein Alternativgrundstück zu unterstützen. Doch Vermittlungsversuche verliefen erfolglos. Der Landkreis Dahme-Spreewald reichte 2013 eine Baugenehmigung aus, gegen die die Mitglieder der Bürgerinitiative, die Gemeinde Märkische Heide und der Bund für Umwelt und Naturschutz, Landesverband Brandenburg (BUND) erfolglos Widersprüche einlegten. Um das Landschaftsschutzgebiet zu bewahren, reichte der BUND letztlich Klage vor dem Verwaltungsgericht Cottbus ein und konnte in einem Eilverfahren 2014 einen bis zum Abschluss des Hauptverfahrens befristeten Baustopp erreichen.  Unmissverständlich urteilte das Verwaltungsgericht Cottbus: “Das Vorhaben steht mit der konkret vorgesehenen Gestaltung in einem deutlichen Kontrast zur Nutzung eines Gebietes, das der Erholung dienen soll”. Gleichwohl halten der Investor und der Landkreis an der von den Gerichten gerügten Baugenehmigung fest. Der Investor hat bereits eine Baugrube für den Stall ausgehoben und in Konterkarierung der Gerichtsbeschlüsse im Herbst 2015 einen rund einen Hektar großen Bereich neben dem gewählten Bauplatz im Landschaftsschutzgebiet mit einer bis zu 3,5 Meter hohen Mauer aus Heu- und Silageballen fest eingefriedet, um einen Teil seiner Rinderherde in einer Art  “Offenstall” zu halten. Wie der geplante Stall schädigt nun bereits der “Offenstall” das Landschaftsschutzgebiet erheblich, weil er die besondere Eigenart der Landschaft zerstört und dem Eintrag von Giftstoffen in die Umwelt Vorschub leistet.

Gegen den Bau des Rinderstalls sprechen folgende

Argumente:

Bauverbot im Landschaftsschutzgebiet

Die Rechtslage ist klar: Im Landschaftsschutzgebiet “Groß Leuthener See / Dollgensee” herrscht Bauverbot. Dies haben die Beschlüsse des Verwaltungsgerichts Cottbus von 2014 und des Oberverwaltungsgerichts Berlin- Brandenburg von 2015 bestätigt. Das Bundesnaturschutzgesetz regelt unmissverständlich: “In einem Landschaftsschutzgebiet sind […] alle Handlungen verboten, die den Charakter des Gebiets verändern oder dem besonderen Schutzzweck zuwiderlaufen.“

Besondere Eigenart der Landschaft

Die Landschaft in und um Klein Leuthen ist anmutig, still und unverbraucht. Eiszeitliche Grund- und Endmoränen wechseln einander ab und verbinden in leichtem Schwung die Wasserflächen, Fließe, Äcker, Wiesen und Wälder. Die Landschaft  ist unzerschnitten, weite Blicke öffnen sich in das LSG oder aus dem LSG hinaus. Markante Einzelbäume akzentuieren den offenen Raum. Baublöcke, Großställe, Silos oder selbst Stromtrassen und Durchgangsverkehr fehlen. Die Schönheit dieser Landschaft hat bereits den 1881 im benachbarten Leibchel geborenen Heimatdichter Otto Lukas geprägt, der sie 1924 zum Urbild der Niederlausitz machte: “Welche Gegend Deutschlands hat solchen reizenden Wechsel von Berg und Tal, von Schätzen in und auf der Erde, von Land und Wasser, von Wald und Feld, von vergessenen Dörfern und stolzen Schlössern […]?“  (Otto Lukas: Lausitzer Leutchen, Idyllen und Schwänke. Berlin 1924). Auch die Gemeinde Märkische Heide wirbt für sich und den Tourismus vor allem mit: unberührter Landschaft. Der geplante Stall steht diesem idyllischen Zustand nun diametral entgegen.  Die Anlage will mehr als 5.700 qm freier Fläche überbauen und würde sowohl in Lage, Größe aber auch in seiner Form als Fremdkörper wirken. Als dominanter Riegel würde er die landschaftlichen Beziehung zwischen See, Dorf und Freiflächen abschneiden, die feinen Übergänge zwischen diesen Elementen an einer besonders schmalen Stelle des Schutzgebiets vernichten und alle Blickachsen vom Dorf oder auf das Dorf und den See verstellen. Er würde die Landschaft und das Dorfbild verschandeln.

Umweltbelastung

Das Bundesnaturschutzgesetz verlangt für die landwirtschaftliche Nutzung eines Schutzgebiets die Einhaltung der guten fachlichen Praxis. Die natürliche Ausstattung der Nutzfläche (Boden, Wasser, Flora, Fauna) darf nicht über das zur Erzielung eines nachhaltigen Ertrages erforderliche Maß hinaus beeinträchtigt werden. Schon jetzt steht für uns in Frage, ob die landwirtschaftliche Nutzung, insbesondere der Eintrag von Gülle und anderen Düngemitteln, im Landschaftsschutzgebiet fachgerecht erfolgt, denn der Groß Leuthener See zeigt nach Angabe des Gesundheitsamtes des Landkreises Dahme-Spreewald deutliche Zeichen der Überdüngung.  Mit der Verzehnfachung des in Seenähe gehaltenen Tierbestandes muss eine weitere Intensivierung der Landwirtschaft erfolgen - damit einher gingen ein steigender Nährstoffeintrag in die Luft, das Oberflächen- und Grundwasser. Durch die landschaftlichen Gegebenheiten ist zudem zu befürchten, dass beim Stallbetrieb Giftstoffe aus der Anlange sowie dem Weideland ausgewaschen und in das sensible Ökosystem am Groß Leuthener See und letztlich in den See selbst eingetragen werden. Hinzu treten Beeinträchtigungen der Umwelt durch Ammoniak, Methan, Verkehr, Staub, Lärm etc., die perspektivisch steigen werden.

Verschandelung des Dorfbildes

Klein Leuthen ist das einzige Sackgassendorf der Gemeinde Märkische Heide. Es hat seine mittelalterliche Angerstruktur und seine kleinteilige Bebauung erhalten. Einrichtungen der industrialisierten Landwirtschaft oder Plattenbauten aus der DDR findet man hier nicht. Aufgrund der Besiedelung seit der Bronzezeit sind Teile des Dorfes als Bodendenkmale geschützt. Die geplante Stallanlage bedroht durch ihre maßstabsverzerrende Größe, durch ihre als Riegel wirkende Kompaktheit genau dieses schützenswerte Bild. Kein Gebäude des Dorfes ist nur annähernd so hoch wie der geplante Stall oder sein Güllehochbehälter. Die Grundfläche der Anlage könnte leicht alle Wohngebäude des Dorfes fassen. Der besondere Charme Klein Leuthens, den bislang noch jeder Besucher leicht erspüren konnte, würde durch den Stall zerstört. Alle Blickbeziehungen zur Landschaft wären gekappt, das Dorfbild verschandelt. Das Verwaltungsgericht Cottbus hat diese Gefahr erkannt und in seinem Beschluss vom 17.10.2014 festgehalten: “Das Vorhaben steht mit der konkret vorgesehenen Gestaltung in einem deutlichen Kontrast zur Nutzung eines Gebiets, das der Erholung dienen soll.”

Präzedenzwirkung

Das zum Bau ausgewählte Grundstück befand sich bei Unterschutzstellung nicht im Eigentum des Investors, sondern wurde erst vor wenigen Jahren - also Jahrzehnte nach der Unterschutzstellung - von diesem erworben. Wenn man zuließe, dass ein geschütztes Grundstück seinen Schutzstatus verliert, nur weil ein Investor es aufkauft und bebauen will, ließe sich zukünftig jedes geschützte Grundstück durch Verkauf aus einem Schutzgebiet herausbrechen. Die Gesetzgebung wäre ad absurdum geführt. Wir setzen uns dafür ein, dass in Klein Leuthen kein Präzedenzfall entsteht, der auf andere Landschafts- und Naturschutzgebiete ungeahnte Auswirkungen hätte. Klein Leuthen bewahren dient daher auch dazu, andere Schutzgebiete zu bewahren. Eine Spende unter dem Kenwort “Rinderstall Klein Leuthen” an den BUND hilft damit allen!

Stall als Türöffner

Mit dem Stallneubau soll die in Dorfnähe gehaltene Anzahl von Rindern auf 200 verzehnfacht werden. Diese Zahl liegt bereits deutlich über dem Bundesdurchschnitt, der lediglich 87 Rinder pro Betrieb zählt (Quelle: Fleischatlas 2016, S. 24). Die Bürgerinitiative geht auf Basis eigener Berechnungen davon aus, dass mit Blick auf die notwendigen Investitionskosten ein neu gebauter Rinderstall mit 200 Tieren nicht wirtschaftlich geführt werden kann. Auch nach Einschätzung der Landwirtschaftskammer Niedersachsen haben nur “Profis, die sich bereits seit Jahren auf die Bullenmast spezialisiert haben, das Knowhow beherrschen und über erprobte Bezugs- und Absatzwege verfügen,“ vereinzelt(!) solche Anlagen zum Erfolg führen können. Ob in Klein Leuthen ein solcher Profi am Werk ist, kann mit Blick auf die bisherige Betriebspraxis nicht bewertet werden. Wir befürchten daher nicht unbegründet, dass der Rinderstall lediglich als Türöffner dienen soll, um unterhalb von planungsrechtlichen Schwellenwerten einen sukzessiven Ausbau der Anlage, also die Ansiedlung weiterer Anlagen im Schutzgebiet zu ermöglichen.  Soweit darf es nicht kommen!

Ende des Tourismus

Der besondere Erholungswert des Landschaftsschutzgebiets Groß Leuthener See / Dollgensee macht es in Gänze, speziell aber in Klein Leuthen zu einem der wenigen touristischen Zentren der Gemeinde Märkische Heide. Für Klein Leuthen ist neben den Wochenend- und Feriengrundstücken vor allem das Ferien- und Freizeitzentrum (FFZ) von Bedeutung, das in seinen beiden Objekten jährlich mehrere tausend Übernachtungen zählt. Der touristische Reiz Klein Leuthens ergibt sich unzweifelhaft aus seiner Lage am See, der direkten Verbindung zur geschützten Natur und seiner besonders ruhigen Lage im Landschaftsschutzgebiet. Der geplante Stall würde alle Vorzüge Klein Leuthens vernichten. Da er nur 100 Meter vom FFZ und vom nächstgelegenen Wohnhaus entfernt errichtet werden soll, liegt eine Verschlechterung der wohnlichen und touristischen Belange auf der Hand. Hinzu kommen Belästigungen durch Umweltgifte, Gerüche, Lärm und Verkehr. In der Folge würden die Erholungssuchenden dem Ort fernbleiben, was zu Einnahmeverlusten auch für die Gemeinde und letztlich zum Verlust von Arbeitskräften in der Tourismusbranche führt.

Alternativstandorte

Die Bürgerinitiative “Klein Leuthen bewahren!”  hat sich seit 2012 stets dafür eingesetzt, dass das Vorhaben an einem anderen, wirtschaftlich sinnvollen Alternativstandort außerhalb des Landschaftsschutzgebietes umgesetzt werden kann.  Auch die Gemeinde Märkische Heide hat sich mit Nachdruck für eine solche gütliche Einigung eingesetzt - vergebens.